Selfies mit Martin Luther-Figur

WP vom 20.10.2017 von Alexander Bange
Balve. Mathematik macht Leute traurig. Dieser Ausspruch soll von Martin Luther stammen. Vor 500 Jahren schlug er seine 95 Thesen an die Wittenberger Kirchentür.
Seine Reformation löste einen Bildungsschub aus – und beschäftigt die knapp 400 Kinder und Jugend­lichen der Städtischen Realschule Balve in dieser Woche.

Kirchenlieder und Redewendungen

Martin Luther ist Thema in allen Fächern: Macht Mathematik tatsächlich traurig? Auch dieser ungewöhnlichen Frage gehen die Kinder und Jugend­lichen der 5. bis 10. Klassen nach. Im Geschichtsunterricht wird dagegen eine andere Frage erörtert: War Luther ein Anti­semit? Viele evangelische Kirchen distanzieren sich seit den 1960er Jahren von seinen teils judenfeindlichen Aussagen, erfahren die Realschüler. Im Religionsunterricht bieten Luthers Kirchenlieder Gesprächsstoff, in Deutsch seine Redewendungen („Mit Blindheit geschlagen sein“ oder „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“). Im Fach Politik wird seine Bedeutung für die Demokratie und die Zeitgeschichte erarbeitet, im Kunstunterricht beschäftigt man sich mit der Luther-Rose. Selbst die Ernährung von Martin Luther wird im Bildungsinstitut thematisiert, denn der Reformator soll kein Kostverächter gewesen sein – weder beim Essen, noch beim Trinken.
Das können die Realschüler übrigens auch sehen. Denn auf dem Schulhof steht eine breite Martin Luther-Statue – 1,45 Meter groß. Sie sorgt in den Pausen für regen Trubel rund um die Legofigur, wie Rektorin Nina Fröhling berichtet. „Die Kinder machen Selfies mit der Luther-Figur. Sie respektieren sie. Denn niemand fasst sie an oder läuft dagegen.“

Großes Interesse

Interesse wecken auch die Zitate, die rund um die Luther-Figur auf dem Schulhof der Realschule platziert worden sind. „Mein Lieblingsspruch ist: ‘Mit jedem Kind, das dir begegnet, ertappst du Gott auf frischer Tat’“, sagt Nina Fröhling. Und auch die Kinder und Jugend­lichen haben ihr favorisiertes Luther-Zitat bereits entdeckt: „Man kann Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen.“

Religion gibt Halt

Dass sich die Realschüler im 500. Reformationsjahr so für den Theologen Martin Luther und den Protestantismus interessieren, freut die Realschulleiterin Nina Fröhling sehr. Allgemein nehme die Bedeutung von Religion zwar ab, nicht aber in Balve oder in der Städtischen Realschule, in der es im Vorjahr zwei Todesfälle gegeben hatte – darunter die plötzlich verstorbene und sehr beliebte Lehrerin Anette Edelmann. „Nicht nur da zeigte sich, wie viel Halt einem Religion geben kann“, sagt Nina Fröhling.

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