„Es lohnt sich zu träumen“

WP vom 09.06.2017 von Marcus Bottin
Balve. Die polnische Parlaments-Stipendiatin Gosia Maslyk erzählt Schülerinnen und Schülern der neunten Klassen der Realschule Balve von ihrer Heimat.
Ganz so schlecht geht es uns deutschen Schülern wohl doch nicht, mag es manchem Neuntklässler der Realschule Balve gestern gedämmert haben, als Gosia Maslyk ihren Vortrag über Polen und das dortige Schulsystem beendet hatte. Die 25-jährige Jura-Studentin aus der Nähe von Danzig verbringt als Parlamentarische Stipendiatin ein halbes Jahr in Deutschland und darf drei Monate lang im Büro der heimischen Bundestags-Abgeordneten Christel Voßbeck-Kayser hospitieren.
„Es ist ein großes Glück, dass ich Frau Voßbeck-Kayser überall hin begleiten darf. Ich bin wie ein kleiner Schatten“, sagt die 25-Jährige. Dazu gehören auch Termine im heimischen Wahlkreis. Die Möglichkeiten, Jugendlichen von ihrer Heimat Polen zu berichten, nutzt Gosia Maslyk besonders gerne.

Eindrücke aus erster Hand

Auch Realschulleiterin Nina Fröhling freut sich sehr, dass ihre Schülerinnen und Schüler die Chance bekommen, Eindrücke aus dem Nachbarland aus erster Hand zu erhalten. „Es ist wichtig, dass Kinder Menschen aus anderen Ländern kennen und respektieren lernen“, erklärt die Pädagogin. „Ich wünsche mir mehr solche kulturellen Begegnungen. Denn in Balve leben ja nur fünf Prozent Menschen mit Migrationshintergrund.“
Was die polnische Parlaments-Stipendiatin über das Schulsystem in ihrer Heimat berichtete, verwunderte die meisten Realschüler sehr: So sind acht Schulstunden Unterricht pro Tag die Regel, die Pausen fallen eher kürzer aus als in Deutschland, und Prüfungen gibt es reichlich. Zwar sollten es nicht mehr als drei pro Woche sein, doch an diese Regelung halten sich viele Lehrer nicht. Es können auch schon mal fünf Prüfungen in einer Woche geschrieben werden, berichtete Gosia Maslyk – und machte große Augen, als sie erfuhr, dass es in Deutschland maximal zwei Prüfungen pro Woche gebe.

Oberstufe im Lyzeum

Besonders kurios – zumindest für deutsche Schüler – ist das Benotungssystem. Auch in Polen gibt es Noten von eins bis sechs. Aber eine Eins will dort niemand haben. Die beste Note ist eine Sechs. Auch verwunderlich: Nach sechs Jahren Grundschule wechseln alle polnischen Kinder aufs Gymnasium – allerdings nur für drei Jahre, und ein polnisches Gymnasium hat mit dem deutschen Gymnasium nur den Namen gemeinsam. Erst ab dem zehnten Schuljahr beginnt im Lyzeum die Oberstufe. Polnische Schüler lieben Wettbewerbe, und die Sieger dürfen sich später ihre Universität aussuchen.

„Es lohnt sich zu träumen“

SV vom 10.06.17 von Julius Kolossa
Balve - Politikunterricht einmal anders – die 87 Realschüler der 9. Klassen bekamen am Donnerstag in ihrer Aula Einblicke von Malgorzata Maslyk in ihre Heimat Polen.
Die Juristin hat sich nach ihrem 1. Staatsexamen für ein Internationales Parlaments-Stipendium beworben, wozu auch die Arbeit im Büro der CDU-Bundestagsabgeordneten Christel Voßbeck-Kayser gehört. Neben den Tagesgeschäften in Berlin nimmt die Stipendiatin auch an den in dieser Woche anstehenden Terminen im Wahlkreis teil.
Dazu gehörte auch der Besuch der Balver Realschule, wo sie eine Stunde zum Thema: „Polen: Land, Regierung, Leute“ hielt. Den Jugendlichen, die ihre Klassenzimmer dafür mit der Aula tauschten, brachte sie das osteuropäische Land näher. Nach einem Überblick über die Geschichte, von dem die Schüler lernten dass das Land seit 1945 in der UNO, seit 1991 in der Visegrad-Gruppe, seit 1999 in der Nato und seit 2004 EU-Mitglied ist, wies sie darauf hin, dass dennoch nicht alle Voraussetzungen erfüllt werden, um den polnischen Zloty durch den Euro zu ersetzen.
Aufgehorcht haben die Schüler, als Malgorzata Maslyk das Schulsystem zusammen fasste: „Ziel ist es, bester Schüler in Polen zu werden.“ Dann stünden alle Wege offen. Für die Juristin hat sich ihr beruflicher Traum erfüllt. In Danzig will sie ihr 2. Staatsexamen machen, und danach als Anwältin arbeiten. Den Realschülern gab sie mit auf den Weg: „Alles ist möglich. Es lohnt sich zu träumen.“

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